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Dieser Artikel ist Teil von ZEIT am Wochenende, Ausgabe 28/2026.
Früher, als der Berufskraftfahrer Micha Neumeier noch in seiner Wohnung lebte, war der Moment, in dem er von der Arbeit nach Hause kam, einer der besten am Tag. Er zog die Wohnungstür hinter sich zu, machte sich ein Bier auf und legte sich auf die Couch. »Einfach Füße hoch und fünfe grade sein lassen«, sagt er. Heute ist ihm der Moment, in dem er nach Hause kommt, vor allem unangenehm.
Neumeier hat gerade seinen Dienstwagen abgestellt, auf einem Parkplatz neben den Bahngleisen, unweit des Bonner Hauptbahnhofs. Jetzt läuft er durch eine Unterführung, einen unbeleuchteten Tunnel, auf dem Boden liegen aufgeweichte Pappen und alte Kleider herum. »Pissrinne« nennt er den Tunnel, und wenn man einmal durchgelaufen ist, versteht man, warum. Neumeier, der makellos geputzte Schuhe trägt, versucht den Pfützen auszuweichen. Sein Gesicht ist glatt rasiert, sein graues Haar getrimmt, unter den Augen hat er tiefe Ringe. In der Brusttasche seines Parkas stecken zwei Kugelschreiber.