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Zu viele Touristen - wie Dubrovnik gegensteuert

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Stand: 06.09.2026 • 07:36 Uhr

Dubrovnik zählt zu Europas beliebtesten Reisezielen. Durch die Serie "Game of Thrones" wurde die kroatische Hafenstadt weltberühmt - nun geht sie gegen "Overtourism" vor.

Von Andreas Bachmann und Nina Knopp, ARD-Studio Südosteuropa

Tea Batinić kennt Dubrovnik wie ihre Westentasche. Die 75-Jährige lebt seit ihrer Geburt in einem Haus in der Altstadt. Seit Jahrzehnten beobachtet sie die Veränderungen in ihrer Heimat. Für sie hat sich die Art des Urlaubmachens grundlegend gewandelt: "Schneller, billiger, weniger Zeit - es muss immer mehr sein, und das möglichst sofort. Mehr, mehr, mehr." Die Touristenmassen seien wie ein Tsunami, sagt Tea.

Der Bürgermeister erhält Drohungen

Im Rathaus empfängt Bürgermeister Mato Franković das Team der ARD. Ein Treffen in der Stadt war nicht möglich. Der Politiker steht unter Polizeischutz. Nach eigenen Angaben erhält er immer wieder Drohungen. Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2017 verfolgt Franković eine Politik, die den Tourismus in der Stadt stärker begrenzen soll. Das hat ihm Gegner eingebracht, denn viele in der Stadt leben vom Tourismus.

"Alles, was ich tue, tue ich für die Stadt", sagt der Bürgermeister. Manche hätten offenbar geglaubt, er lasse sich durch Drohungen von seinen Entscheidungen abbringen. Hinter den Einschüchterungsversuchen vermutet Franković Interessengruppen aus dem Immobiliengeschäft mit Verbindungen nach Montenegro. Doch was ihm zu Hause Drohungen einbringt, zeichnet die Europäische Union aus. Dubrovnik ist "European Green Pioneer of smart Tourism 2026".

Weniger Bauland, mehr Grünflächen

Ein zentraler Bestandteil der neuen Strategie: Mehrere geplante Großprojekte werden aufgegeben. "Wir streichen sechs große Tourismuszonen", sagt Franković. Dort hätten ursprünglich mehr als 1.000 Wohnungen entstehen sollen.

Rund um die Altstadt sollen zudem zahlreiche Grundstücke, die bislang als Bauland ausgewiesen waren, künftig in Grünflächen umgewidmet werden. "Dubrovnik braucht keine weiteren Wohnungen und keine weiteren Ferien- oder Touristenunterkünfte mehr", sagt der Bürgermeister.

Wohnraum wird zu Ferienwohnungen

Wie stark der Tourismus den Wohnungsmarkt verändert hat, erlebt Tea Batinić direkt in ihrem eigenen Haus. Mehrere Wohnungen seien inzwischen in Airbnb-Quartiere umgewandelt worden. Sichtbar werde das bereits am Eingang: Dort hängen zwei Schlüsseltresore für Feriengäste.

Eine Begegnung ist ihr besonders in Erinnerung geblieben. "Eines Tages kam ich nach Hause und traf ein britisches Paar mit riesigen Koffern im Flur. Sie fragten mich tatsächlich, was ich hier mache", erzählt sie. "Da habe ich geantwortet: Ich wohne hier seit 75 Jahren."

Obergrenze für Kreuzfahrt-Passagiere

Besonders deutlich zeigt sich die Problematik des sogenannten Overtourism an den Kreuzfahrtschiffen. Früher legten an manchen Tagen bis zu zehn Schiffe in Dubrovnik an. Heute gelten deutlich strengere Regeln.

"Wir haben festgelegt, dass sich vormittags maximal 4.000 und nachmittags ebenfalls maximal 4.000 Kreuzfahrt-Passagiere in der Stadt aufhalten dürfen", sagt Jelka Tepšić von der Hafenbehörde Dubrovnik. Dadurch ist die Zahl der Kreuzfahrtschiffe auf maximal zwei am Tag gesunken. Dafür hat sich die Zeit verlängert, die sie vor Ort ankern: auf ein Minimum von acht Stunden.

Digitale Besucherlenkung per App

Neben Obergrenzen setzt Dubrovnik auch auf digitale Steuerung der Besucherströme. Mithilfe des Dubrovnik-Passes und eines digitalen Monitoring-Systems sollen Touristen besser über die Stadt verteilt werden. Julijana Antić Brautović, Leiterin der städtischen Abteilung für Kultur und Kulturerbe, zeigt die Anwendung. Mit dem Dubrovnik-Pass bekommen Touristen ermäßigten Eintritt für zahlreiche Sehenswürdigkeiten, auch für die weniger bekannten.

Besucher können dort in Echtzeit sehen, wie stark einzelne Sehenswürdigkeiten ausgelastet sind. Erreicht etwa das Kulturhistorische Museum seine maximale Kapazität, weist die App auf Wartezeiten hin und schlägt alternative Ziele vor, beispielsweise das Seefahrtsmuseum. "Wenn sich alle Besucher gleichzeitig an einem Ort drängen, ist nichts gewonnen", betont Antić Brautović. Ziel sei es, die Menschen besser über die gesamte Altstadt zu verteilen. Auf den "Flow" komme es an.

Lebensqualität statt Rekorde

Für Bürgermeister Franković geht es längst nicht mehr nur um Tourismuspolitik, sondern um die Zukunft Dubrovniks. "Wenn man merkt, dass der Tourismus die Lebensqualität zerstört, dann muss man die Reißleine ziehen", sagt er.

Bewohnerinnen und Bewohner wie Tea Batinić hoffen, dass die Maßnahmen Wirkung zeigen werden, damit Dubrovnik seinen Charakter behält. Immer wieder habe man ihr angeboten, ihre Wohnung zu verkaufen, erzählt sie. Die Summen seien beträchtlich. Doch daran habe sie kein Interesse. "Selbst wenn mir jemand eine Million Euro bieten würde, würde ich nicht verkaufen", sagt sie. "Wenn die Wohnung für jemanden, der nie hier gelebt hat, eine Million wert ist, dann ist sie für mich mindestens zehnmal so viel wert."

Dubrovnik versucht damit einen Balanceakt, der viele europäische Urlaubsziele beschäftigt: Wie lässt sich Tourismus als wirtschaftliche Grundlage erhalten, ohne dass die Lebensqualität der Einwohner verloren geht? Die kroatische Küstenstadt setzt dabei auf klare Grenzen statt auf grenzenloses Wachstum. Ob das Modell langfristig Erfolg hat, dürfte auch weit über die Mauern der Altstadt hinaus aufmerksam verfolgt werden.

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