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Stand: 08.09.2026 • 10:58 Uhr
Borussia Mönchengladbach gehört zu den drei Klubs, die punktlos in die neue Bundesligasaison gestartet sind. Es gibt Gründe, warum die Unzufriedenheit in Gladbach aber besonders groß ist.
Es dürfte nicht allzu oft in der Historie der Bundesliga vorgekommen sein, dass eine Mannschaft nach ihrem ersten Heimspiel der Saison ausgepfiffen wurde, wenn sie nicht vorher mit Pauken und Trompeten untergegangen war. Die Spieler von Borussia Mönchengladbach haben aber genau das nach dem 3:4 gegen die SV Elversberg erleben müssen. Was etwas überemotional klingt, hat eine Geschichte, die die Reaktion auf die zweite Niederlage im zweiten Spiel verständlich macht. Ganz akut war es der Spielverlauf. Gladbach hatte den Aufsteiger, der zuvor schon Bayer Leverkusen (3:2) besiegt hatte, im Griff und führte nach mehr als einer Stunde Spielzeit mit 3:1. Und es lag eher ein noch deutlicherer Spielstand in der Luft als das, was dann geschah. Das Unverständnis, einen solch sicher geglaubten Sieg aus der Hand zu geben, entlud sich im Moment des Abpfiffs. Aber vor allem der Unglaube darüber, dass ihre Mannschaft die Fans wieder enttäuscht hat. Die Anhängerschaft in Gladbach hat in der vergangenen Saison viel durchmachen müssen. Da hatte sie bis in den November auf den ersten Heimsieg warten müssen, es gab sehr schmerzhafte Erlebnisse mit Nachhall wie das 0:4 gegen Werder Bremen, das 4:6 - Halbzeitstand 0:5 - gegen Eintracht Frankfurt oder das Aus im DFB-Pokal gegen den FC St. Pauli (1:2). Diese schlimmen Tage im Borussia-Park waren aber nur Teil einer schlimmen Saison, in der sich die Fans sogar Sorgen um den Klassenerhalt machen mussten.
Gladbachs Fans sind nach zwei Niederlagen unzufrieden
Das alles sollte der Vergangenheit angehören. Der Kader wurde umgestaltet und es wurde beschworen, dass die Mannschaft in der Zukunft fußballerisch wieder ein anderes - ein deutlich unterhaltsameres, mutigeres und leidenschaftlicheres - Gesicht zeigen würde. Neben neuen Spielern kam auch ein neues Trainerteam - abgesehen vom Chefcoach, der blieb Eugen Polanski. Und das ist auch ein Teil der Stimmung, die gerade herrscht. Es ist offenbar für viele ein Leichtes, den Mann für den Fehlstart verantwortlich zu machen, der in der vergangenen Saison schon am Schlamassel beteiligt war. Es wird bereits fleißig darüber diskutiert, ob Polanski noch tragbar sei, es wird auch viel über mögliche Nachfolger gesprochen. Dabei ist der Verein nach wdr-Informationen bisher gar nicht von seinem Trainer abgerückt. Der Plan bleibt, mit Polanski die Wende zu schaffen. Wobei eine Fortsetzung der Misere diesen Plan natürlich gefährden würde. Polanski selbst hatte auf der Pressekonferenz nach der Elversberg-Pleite betont, dass man auch über vieles Positives sprechen könne. Das war keine Inschutznahme seiner Spieler oder taktischen Vorgaben sowie Entscheidungen, sondern ein Fakt. Am Ende stehen null Punkte und unzufriedene Fans, aber in der Zeit, in der das Team den Polanski-Plan durchgezogen hatte, lief es wie am Schnürchen - das war übrigens auch auf den Tribünen zu spüren. Die Stimmung im Borussia-Park war so gut, dass auch Elversberg-Trainer Vincent Wagner im Nachgang von ihr schwärmte und befand, "viel zu selten" dort gewesen sein. Die Atmosphäre lag auch darin begründet, dass bisher eine Euphorie um die von Rouven Schröder zusammengestellte Mannschaft geherrscht hatte. Sie verlor zwar bei RB Leipzig (0:3), hatte davor aber eine Vorbereitung gespielt, die Lust auf die Saison machte. Nach den vielen Enttäuschungen hatten die Fans die Hoffnung, dass nun alles besser würde - und so fiel ihre Reaktion umso heftiger aus, als sie miterleben mussten, dass es (noch) nicht so ist. Für Gladbach ist es auch der Fluch der guten Tat. Wahrscheinlich wäre der Frust nicht so groß, wenn die Fohlen nicht so eindrucksvoll durch den Sommer geritten wären und unter anderem die TSG Hoffenheim (4:1) und Aston Villa (2:1) eindrucksvoll besiegt hätten. Die Latte haben sie selbst ziemlich hoch gelegt. Diese Krise ist nicht einfach nur ein Resultat von misslungenen Auftritten, sondern sie hat ihre Tücken. Sie entstand auch aufgrund von Erwartungen und Erfahrungen, auch durch den Spielverlauf gegen Elversberg. Dabei steht nicht nur eine grunderneuerte Mannschaft auf dem Feld, die sich - auch in der neuen Taktik - finden muss. Sie hat auch große Sorgen, mit Nicolas Kühn (Muskelbündelriss) hat sich jetzt schon der sechste Spieler in diesem noch so jungen Fußballjahr verletzt.
Mit Nicolas Kühn (r.) steht Eugen Polanski (l.) ein weiterer Spieler erstmal nicht zur Verfügung
Das alles sind Erklärungen dafür, warum es so schlecht läuft und warum die Stimmung so aufgeheizt ist. Es sind aber keine Entschuldigungen - Gladbach braucht Siege, Polanski braucht Siege, Schröder braucht Siege, die Fans brauchen Siege. Die Borussen haben sich erneut in eine prekäre Situation gebracht, sie haben aber in vielen Phasen auch gezeigt, dass sie das Zeug haben, um es aus ihr raus zu schaffen. Sie haben aber auch gezeigt, dass es bei ihnen immer auch in die andere Richtung gehen kann. Unsere Quelle:
Sendung: WDR.de, "Gladbacher Saisonstart weckt böse Erinnerungen", 08.09.2026, 10:50 Uhr
Mönchengladbachs böse Erinnerungen
Schlimme vergangene Saison für Borussia
Entlassung von Polanski kein Thema
Borussia-Fans mit gutem Gefühl vor der Saison
Kühn verschlimmert Gladbachs Personalsorgen