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Biosimilars: Sandoz setzt sich ehrgeizige Wachstumsziele

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Der Basler Generikahersteller Sandoz setzt sich ehrgeizige Wachstumsziele. Ungelöst ist jedoch das Problem mit Trumps Zolldrohungen. Dem Unternehmen fehlt nach wie vor eine Produktionsstätte in den USA.

Sandoz hat die Fertigung auf Europa ausgerichtet (im Bild die Produktionsstätte für Antibiotika im österreichischen Kundl).

Sandoz / APA / Keystone

Generika gelten in der Pharmabranche als nicht besonders attraktiv. So gut wie alle grossen Medikamentenhersteller haben sich aus diesem Geschäft verabschiedet, weil es ihnen zu geringe Erträge eingebracht hat und die meisten Aktionäre es nicht mehr goutierten.

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Als einer der letzten Pharmakonzerne stieg vor drei Jahren Novartis aus. Die Tochterfirma Sandoz wurde Anfang Oktober 2023 separat an die Börse gebracht und musste prompt zuerst eine Durststrecke durchstehen.

Heimspiel in London

Seit dem Frühjahr letzten Jahres hat sich der Aktienkurs des Basler Generikaherstellers aber mehr als verdoppelt. Dank diesem Aufstieg haben sich die Titel auch die Aufnahme in den Swiss-Market-Index (SMI) verdient. Ab dem 21. September werden sie als Teil des SMI gehandelt.

Am Dienstag lud das Management zur Investorenkonferenz in die Finanzmetropole London ein. Angesichts der deutlichen Kursgewinne in den vergangenen eineinhalb Jahren durfte es mit einem warmen Empfang rechnen. Allerdings tendierte der Aktienkurs im Tagesverlauf trotz dem selbstbewussten Auftreten der Sandoz-Führung leicht schwächer.

Wie die Firmenleitung in ihrer Präsentation hervorhob, steigerte Sandoz in den letzten zwei Jahren den Umsatz um 16 Prozent auf 11,1 Milliarden Franken. Die bereinigte Ebitda-Marge, die der Konzern als Kenngrösse für seine Profitabilität verwendet, nahm gleichzeitig um 3,6 Prozentpunkte auf 21,7 Prozent zu.

Der Konzern hat es nun als eigenständige Gesellschaft geschafft, seine Leistung deutlich zu steigern. Die Firmenführung verspricht den Aktionären aber noch deutlich mehr. Bis 2035 will das Unternehmen seinen Konzernerlös im Vergleich zu 2025 mehr als verdoppeln. Die bereinigte Ebitda-Marge soll auf über 30 Prozent steigen.

In neun Jahren kann auch im vergleichsweise stabilen Pharmageschäft viel passieren. Richard Saynor, der Konzernchef von Sandoz, hält die ehrgeizigen Vorgaben indes für gut erreichbar. Wie er am Dienstag vor der Eröffnung der Investorenkonferenz der NZZ sagte, werden in den knapp anderthalb Jahrzehnten bis 2040 Medikamente mit einem jetzigen Gesamtumsatz von rund einer Billion Dollar den Patentschutz verlieren. Dies eröffne einem Anbieter von Nachahmerprodukten wie Sandoz riesige Absatzchancen.

Richard Saynor, Konzernchef von Sandoz.

PD

Vorsprung auf koreanischen Mitbewerber

Laut Saynor ist Sandoz der zweitgrösste Hersteller von Generika. Im Geschäft mit den höhermargigen Biosimilars, die Nachbildungen teurer Medikamente aus biotechnologischer Produktion sind, bezeichnet sich der Konzern als Marktführer. Im Moment komme man in diesem Bereich auf einen Marktanteil von 19 Prozent, sagt Saynor.

Sandoz hat seit der Lancierung des ersten Biosimilar vor zwanzig Jahren erst zwölf weitere solche Produkte auf den Markt gebracht. Wie der Konzern nun kommuniziert hat, sollen es bis 2040 über hundert werden. Nach Einschätzung der Analysten der Zürcher Kantonalbank dürfte ihn dies zum «klaren Marktführer» machen. Ein anderer führender Anbieter, die südkoreanische Firma Celltrion, habe bis 2029 lediglich knapp vierzig Biosimilars angekündigt.

Hohe Erwartungen an Kopien von Abnehmspritzen

Die Pläne von Sandoz umfassen auch die Lancierung von Kopien heutiger Abnehmspritzen. Ein Biosimilar auf Basis des Wirkstoffs Semaglutid, der in den Originalpräparaten Ozempic und Wegovy des dänischen Herstellers Novo Nordisk vorkommt, soll in Brasilien noch im vierten Quartal dieses Jahres lanciert werden. Auch in Kanada und in der Türkei bereitet der Konzern die Markteinführung vor.

In der EU und in den USA werden sich Patienten laut dem Unternehmen wohl noch bis mindestens 2031 gedulden müssen. Wie Saynor durchblicken lässt, rechnet man bei Sandoz aber in jedem Fall mit zusätzlichen Einnahmen in Milliardenhöhe.

Produktion in den USA rechnet sich im jetzigen Umfeld nicht

Ein ungelöstes Problem für den Konzern sind die Zölle, welche die amerikanische Regierung auf Generika erheben will. Sandoz erzielt mit 55 Prozent zwar den Grossteil des Umsatzes in Europa. Ein Viertel stammt aber aus den USA.

Wie Präsident Donald Trump im Juli verkündete, sollen die amerikanischen Zölle ab August 2028 in einem ersten Schritt 100 Prozent betragen und ein Jahr später dann auf 200 Prozent steigen.

Sandoz hat die Produktion von Biosimilars bisher vollständig auf Europa ausgerichtet. Wie der Konzern ebenfalls am Dienstag bekanntgab, soll für 300 Millionen ein weiteres Produktionswerk in Slowenien errichtet werden. Sandoz hat dort bereits drei Fabriken, die in Betrieb sind oder sich noch im Bau befinden.

Saynor betonte in der Vergangenheit mehrfach, dass der Konzern noch so gerne eine Fabrik in den USA bauen wolle. Wie er auch dieses Mal festhält, muss sich dieses Investment aber auf lange Sicht rechnen.

Sandoz machen im weltgrössten Pharmamarkt nach wie vor die hohen Hürden bei der Markteinführung von Nachahmerprodukten zu schaffen. Hersteller von Originalpräparaten beschäftigten ein Heer von Anwälten, um sich in Amerika mithilfe von allerlei juristischen Tricks auch dann Konkurrenten vom Leib zu halten, wenn ihre Medikamente den Patentschutz längst verloren haben. Daran dürfte sich so schnell nichts ändern.

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