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Die United States Tennis Association ist eine Partnerschaft mit der Prognosemarkt-Plattform Kalshi eingegangen. Spieler äussern Bedenken, zugleich gerät der Sponsor ins Visier der Behörden. Caleb Bowlin / Getty Sportwetten lösen im Tennis Hass aus. Das weiss auch Jessica Pegula. Nach ihrem Ausscheiden in Roland-Garros 2025 teilte die amerikanische Tennisspielerin auf Instagram Nachrichten, in denen ihrer Familie Krebs und ihr eine Totgeburt gewünscht wurden. Sie wurde als «Sauerstoffverschwendung» beschimpft. «Diese Wettenden sind verrückt und realitätsfremd», schrieb sie damals. NZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan. Bitte passen Sie die Einstellungen an. Entsprechend wirkte die Weltranglistendritte leicht resigniert, als sie kürzlich bei einer Pressekonferenz am US Open nach ihrer Meinung zum neuen Sponsor des Major-Turniers gefragt wurde. Eine «heikle Angelegenheit», sagte Pegula. Zum Auftakt des Turniers verkündete die United States Tennis Association (Usta) die Partnerschaft mit Kalshi, einer amerikanischen Plattform für Prognosemärkte. Wie bei Polymarket werden dabei sogenannte Event-Contracts gehandelt, also Ja/Nein-Wetten auf reale Ereignisse wie Wahlen, Wirtschaftsdaten oder eben Sportresultate. Auch Live-Wetten sind möglich. Kalshi ist in den USA als regulierte Handelsplattform zugelassen. Die Plattform ist offiziell also kein Wettanbieter. Trotzdem erhalten Tennis-Fans nun Push-Benachrichtigungen mit von Kalshi gesponserten Prognosen zu den Matches am US Open. Das wirkt wie eine Einladung in die Welt, die den Akteuren regelmässig Hass entgegenbringt. Der Hauptgrund für die Zusammenarbeit der Usta mit Kalshi seien die Fans. Craig Tiley, CEO der Usta, sprach von einer neuen Art der Bindung zum Publikum, bei der die Integrität des Sports gewahrt bleibe. Der Kalshi-CEO Tarek Mansour bezeichnete Tennis als eine der am schnellsten wachsenden Sportarten auf der Plattform. Die Fans könnten sich noch intensiver mit dem Spiel beschäftigen, das sie lieben. Diese «Liebe» äussert sich bereits in einem Handelsvolumen von über 25 Millionen Dollar auf den Sieger im Männer-Einzel am US Open. Beim Konkurrenten Polymarket liegt das Volumen bei mehr als 22 Millionen. In der Sportwelt haben die Plattformen ihren idealen Wachstumsmarkt entdeckt: laufend neue Matches, klar überprüfbare Resultate und ein Millionenpublikum, das gewohnt ist zu wetten. Die beiden Kontrahenten liefern sich bereits einen Wettlauf um Deals mit Klubs und Ligen im Eishockey und Baseball. Im Tennis hat dieser nun ebenfalls begonnen. Polymarket sicherte sich Anfang August einen Deal mit der ATP, dem Organisator der Turnierserie der Männer. Auch die Turnierveranstalter in Indian Wells, Cincinnati und Washington prüfen Kooperationen mit Prognosemarkt-Plattformen. Polymarket präsentierte zudem ein prominentes Tennis-Werbegesicht: Maria Scharapowa, ehemalige Weltranglistenerste und fünffache Major-Siegerin. Mit einer Exklusivitätsklausel stellte Kalshi jedoch sicher, dass der Konkurrent nicht auf den Banden und in Übertragungen am US Open werben darf. Es herrscht Goldgräberstimmung im Tennis in den USA. Ausgenommen sind davon die Hauptdarsteller auf dem Court. Jessica Pegula betonte in der Pressekonferenz die Diskrepanz: Aktive Tennisprofis dürften sich nach den Antikorruptionsregeln nicht von Wettanbietern sponsern lassen. Die Ausrichter der Turniere hingegen erzielen dank solchen Sponsoren Gewinn. Es sei schwierig, die Wettanbieter als Sponsor überall zu sehen, wenn Sportwetter den Athleten auf Social Media ständig Hass entgegenbrächten. Mike Segar / Reuters Als der Italiener Matteo Berrettini am US Open nach Kalshi gefragt wurde, berichtete er von Drohnachrichten, die sein Bruder vor einigen Monaten erhalten hatte: «Matteo ist so schlecht. Sag ihm, er soll verlieren, sonst töten wir seine Familie.» Berrettini sagte, dass kontrolliertes Wetten einen Platz im Sport habe, er forderte aber stärkeren Schutz für die Athletinnen und Athleten. Denn solche Hassnachrichten sind Courant normal. 2025 sprach die Britin Katie Boulter öffentlich über ihre daraus resultierende Angst. Unbekannte drohten, das Grab ihrer Grossmutter zu schänden. Im Juli veröffentlichten die WTA und der Weltverband World Tennis einen Bericht, für den mehr als 1,2 Millionen Posts und Kommentare aus 2025 analysiert worden waren. 42 Prozent der im Monitoring bestätigten Hassbeiträge konnten verärgerten Wettenden zugeordnet werden, bei schwerwiegenden Fällen sind es sogar 59 Prozent. Während die Stars im Tennis beleidigt und bedroht werden, werden Spieler auf niedrigerer Stufe auch bestochen, um Spiele zu manipulieren. Und die Parallelwelt im Tennis ist auch direkt von den Rängen spürbar. Am US Open vor einem Jahr wies der Schweizer Leandro Riedi einen Fan zurecht, weil er vermutete, dass dieser auf ihn gewettet hatte. Als Aussenseiter bot er eine gute Wettquote. Der Mann blickte ständig aufs Handy, hatte zuvor Doppelfehler von Riedis Gegner frenetisch bejubelt. Riedi beschwerte sich beim Stuhlschiedsrichter und liess den Fan entfernen. Die USA sind der einzige Major-Austragungsort, an dem Kalshi sein Sportgeschäft breit ausbauen kann. Wegen der nationalen Glücksspielvorschriften sind Australien, Frankreich und Grossbritannien gesperrte Märkte. Doch auch die amerikanischen Behörden beäugen Kalshi vermehrt kritisch. Viele Gliedstaaten werfen Kalshi vor, klassische Glücksspielregeln zu umgehen - etwa bei Lizenzen, Jugend- und Verbraucherschutz sowie Suchtprävention. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob die Plattform tatsächlich mit Finanzprodukten handelt oder faktisch Sportwetten anbietet. Richard B. Levine / Imago Gerichte in verschiedenen Gliedstaaten urteilen dabei in ähnlichen Fällen gegensätzlich. Der Gliedstaat New Jersey hat den Obersten Gerichtshof, den Supreme Court, nun um eine Überprüfung gebeten. Wie die Spieler besser vor Beschimpfungen und Drohungen durch Sportwetter geschützt werden sollen, wird derweil wenig diskutiert. Auch Kalshi und das US Open erwähnten dies in ihrem euphorischen Statement zur Zusammenarbeit nicht. Auch Jessica Pegula sagte an der Pressekonferenz, dass sie nicht wisse, wie man mit dem Thema umgehen solle. Sportwetten seien unumgänglich und allgegenwärtig. Sie wisse auch, dass Wetten dazu beitrügen, Fans bei Laune zu halten. Abschliessend sagte sie: «Ich weiss nicht, ob es bedauerlich ist oder ob es schlicht die Welt ist, in der wir leben.»Im Arthur Ashe Stadium wird um den Major-Titel gespielt - und auf den Rängen um Wetteinsätze.
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Der Wettlauf im Tennismarkt ist eröffnet
Die einen erhalten Geld, die anderen Morddrohungen
Jessica Pegula im Einsatz am US Open: Sie scheint ratlos darüber, wie mit den Auswüchsen der Sportwettindustrie umgegangen werden soll.
Kalshi unter Beobachtung der Behörden
Kalshi wirbt Ende Oktober 2025 in Midtown Manhattan für Wetten auf die Bürgermeisterwahl in New York.