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Riad droht der Miliz mit massiver Vergeltung. Gleichzeitig rücken Truppen der jemenitischen Regierung am Boden gegen die Huthi vor. Die Attacken der Huthi sind auch ein Test des neuen «Mekka-Pakts». Yahya Arhab / EPA Manches bleibt noch im Dunkeln, doch eines ist schon jetzt klar: Die Huthi haben am Dienstag einen der folgenschwersten Angriffe auf Saudiarabien seit Monaten durchgeführt. 73 Menschen wurden laut saudischen Angaben bei Attacken der jemenitischen Miliz an vier verschiedenen Orten im Königreich verletzt. NZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan. Bitte passen Sie die Einstellungen an. Das Ziel der Raketen und Drohnen aus Jemen war die saudische Infrastruktur. Das Energieministerium des Königreichs teilte Dienstagfrüh mit, dass nach Einschlägen Feuer in mehreren Energieanlagen im Süden des Landes ausgebrochen seien. Die Attacken hätten zu einem «temporären Produktionsstopp» geführt. Laut der «Financial Times» hatten die Huthi schon am Montag die Jazan-Raffinerie des saudischen Ölkonzerns Aramco beschossen. Die Raffinerie, wo 400 000 Fässer Erdöl pro Tag produziert werden, wurde bereits in der Vergangenheit von den Huthi attackiert. In Folge der Huthi-Offensive schoss der Erdölpreis auf über 99 Dollar pro Barrel in die Höhe. Die von Riad angeführte Anti-Huthi-Koalition verurteilte die «sündhaften und ungerechtfertigten Attacken der terroristischen Huthi-Miliz». Saudiarabien kündigte an, zurückzuschlagen: Die Koalition werde «alle erforderlichen operativen Massnahmen ergreifen, um diese terroristische Miliz abzuschrecken und ihrem feindseligen Vorgehen entschlossen entgegenzutreten». Immer wieder haben die mit Iran verbündeten Huthi seit Juli Ziele in Saudiarabien sowie saudische Öltanker beschossen. Die Offensive vom Dienstag war allerdings wohl sehr viel weitreichender als vorangegangene Attacken. Die Huthi selbst sprachen von Dutzenden Raketen und Drohnen, die die Gruppe in Wellen abgefeuert hatte. Laut den Huthi waren die Attacken eine Reaktion auf saudische Luftangriffe gegen das von ihnen kontrollierte Gebiet in Jemen. Tatsächlich geraten die Huthi in Jemen unter Druck. «Anfang September kam es zu den schwersten Kämpfen seit Jahren», sagt Marieke Brandt, Huthi-Expertin bei der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Riad unterstützt die international anerkannte jemenitische Regierung, die einen Grossteil des Territoriums Jemens kontrolliert, wo allerdings nur eine Minderheit der Bevölkerung lebt. Die Regierungstruppen konnten in den Provinzen al-Jawf und al-Bayda Geländegewinne gegen die Huthi erzielen. Videos in den sozialen Netzwerken zeigen, wie die Menschen in den Territorien unter vormaliger Huthi-Kontrolle Transparente mit dem Foto des Milizen-Anführers Abdelmalik al-Huthi zerstören. A viral video shows a Yemeni young man tearing up a photo of Houthi leader Abdul-Malik al-Houthi in Al-Jawf Governorate, which has been liberated from Iran-backed Houthi militias by Yemeni army forces. pic.twitter.com/fqbRE6mkFw Laut den Regierungstruppen ist das Ziel der Offensive die Rückeroberung der Hauptstadt Sanaa, die die Huthi vor zwölf Jahren unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Marieke Brandt hält signifikante Geländegewinne der Regierung für möglich, aber für nicht sehr wahrscheinlich. Zwar seien territoriale Verluste vermutlich einer der wichtigsten Hebel, um die Huthi zu schwächen. «Diese Verluste müssten dann aber im Herzland der Huthi realisiert werden, statt in Wüstenprovinzen wie al-Jawf.» Handout Houthi Military Media Center / EPA Grössere Vorstösse der Regierungstruppen dürften schwierig werden. Denn die Huthi haben in den vergangenen Jahren - auch mit iranischer Unterstützung - massiv aufgerüstet. Die einstigen Barfusskämpfer aus den Bergen Nordjemens sind zu einer schlagkräftigen Armee herangewachsen, die in Kriegszeiten laut Schätzungen rund 350 000 Mann mobilisieren kann. Der militärische Druck am Boden dürfte allerdings die Nervosität der Huthi erhöht haben. Laut Ahmed Nagi hat die Lage auf dem Schlachtfeld in Jemen zum Entscheid der Huthi geführt, ihre Angriffe auf Saudiarabien zu intensivieren: «Das Kalkül der Huthi ist klar», sagt der Jemen-Experte der International Crisis Group im Gespräch. «Die Huthi wollen den Druck auf die Saudi erhöhen, damit diese dann auf die jemenitische Regierung einwirken, die Offensive einzustellen oder zu verlangsamen.» Ausserdem verstärken die Angriffe die Verhandlungsposition der Huthi. Die wirtschaftliche Lage in dem von ihnen kontrollierten Gebiet ist katastrophal, und die Islamisten wollen finanzielle Zugeständnisse von Riad erpressen. Dies ist auch der Grund, warum die Huthi im Juli damit begonnen haben, saudische Schiffe im Roten Meer zu attackieren. Saudiarabien ist einerseits vor allem an Ruhe interessiert und möchte den Konflikt so schnell wie möglich eindämmen. Andererseits kann Riad eine solch heftige Attacke der Huthi nicht unbeantwortet lassen. Doch die Möglichkeiten Saudiarabiens sind begrenzt. Von 2015 bis 2022 überzog das Königreich die Huthi mit massiven Luftangriffen, nur um sich an den Bergkriegern die Zähne auszubeissen. Die Huthi haben im Verlauf des Dienstags neue, mutmasslich saudische Bombardements gemeldet. Doch Experten halten es für unwahrscheinlich, dass Riad sich wieder wie 2015 in ein langes und teures Militärabenteuer stürzt. Die Attacken der Huthi sind auch ein Test für die erst kürzlich aus der Taufe gehobene Militärallianz zwischen Saudiarabien, Pakistan und der Türkei. Das als «Mekka-Pakt» betitelte Verteidigungsbündnis umfasst eigentlich eine Klausel, wonach jeder Angriff auf eines der Länder als Attacke auf die anderen Bündnispartner gewertet wird. In dem Gründungsdokument des militärischen Zusammenschlusses ist zwar nicht klar definiert, wie sich die Partner im Angriffsfall zu verhalten haben. Doch mit der Huthi-Offensive wird endgültig klar: Eine Nato-ähnliche Allianz ist der «Mekka-Pakt» nicht. Am Dienstagmittag verurteilte Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif den «feigen Angriff» der Huthi auf die Energieinfrastruktur in Saudiarabien. «Wir bekräftigen unsere unerschütterliche Unterstützung für die Souveränität, die Sicherheit und die territoriale Integrität des Königreichs», hiess es aus Islamabad. Über die Solidaritätsbekundung hinaus folgte jedoch keine Ankündigung einer militärischen Unterstützung Saudiarabiens - was zu erwarten wäre, wenn die Huthi-Attacke wirklich wie ein Angriff auf das eigene Land gewertet würde. Aus der Türkei kamen bisher noch nicht einmal warme Worte. Den ersten Test hat die neue, um Saudiarabien aufgebaute Sicherheitsarchitektur im Nahen Osten nicht bestanden. Yahya Arhab / EPADer Militärsprecher der Huthi-Miliz Yahya Sarea kündigte am Dienstag den Grossangriff auf Saudiarabien an.
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Die Huthi geraten unter Druck
Ein von den Huthi veröffentlichtes Bild, das einen Raketenangriff auf Lastwagen der international anerkannten Regierung zeigen soll.
Warum die Huthi Saudiarabien angegriffen haben
Was bedeutet das für den «Mekka-Pakt»?
Ein Plakat des Milizen-Chefs Abdelmalik al-Huthi in Sanaa. Seit 2015 kontrollieren die mit Iran verbündeten Gotteskrieger aus Nordjemen die jemenitische Hauptstadt.