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„Kulturelle Identität": Die vierte Kränkung

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Integrationsministerin Claudia Bauer (ÖVP) sagte am Dienstag bei der Präsentation der Studie „Was denkt Österreich?" einen sehr wichtigen Satz: „Wir dürfen nicht naiv sein, wir müssen unsere Art, zu leben, auch verteidigen." 

Dass sie als Bedrohung, die es zu bekämpfen gilt, den „politischen Islam" ausmacht, ist nicht falsch, greift aber zu kurz.

Worum geht es den Bürgern?

Die Liste der Entwicklungen, die ein Großteil der Befragten als „negativen Einfluss" auf den Zusammenhalt in Österreich empfindet, ist lang: „Fake News" stehen mit 54 Prozent an erster Stelle, erst dahinter der politische Islam; dann folgen weltweite Kriege, Terrorismus und große Migrationsbewegungen. Auf dem fünften Platz mit 45 Prozent liegen die sozialen Medien, gleichauf mit Rechtsextremismus. Ein Prozentpunkt dahinter: „Streit der politischen Parteien".

Dass die Integrationsministerin die Sorge um die „kulturelle Identität Österreichs" auf Fremde und deren mangelnde Integrationsbereitschaft abstellt, mag in ihre politische Agenda passen. Den besorgten Bürgern (75 Prozent!) geht es aber um noch viel mehr. Studienautor Rudolf Bretschneider sprach sogar von der „auffälligsten Veränderung": Die Bevölkerung werde immer heterogener, „bunter" - nicht nur wegen Zuwanderung, sondern auch, weil unterschiedliche Lebensentwürfe durch höhere Bildung und Einkommen möglich und durch Digitalisierung und Globalisierung sichtbar geworden sind.

Statisten im eigenen Leben

Wir wissen nicht, was noch alles kommt. Vor zwei Jahren hatte man die Künstliche Intelligenz zwar schon am Radar, jetzt fürchten sich 28 Prozent davor. Bretschneider nannte es in Anlehnung an Sigmund Freuds Theorie die „vierte Kränkung": Immer mehr Menschen fühlen sich überfordert und im eigenen Leben nur noch als Statist.

Die Welt scheint aus den Fugen zu geraten. Was „richtig" und „wichtig" ist, ist nicht mehr (gott-) gegeben, sondern Ansichtssache. Den Medien, die Orientierung geben sollen, vertrauen viele nicht mehr, stattdessen lassen sie sich fluten von Informationen aus den sozialen Medien, denen sie zugleich misstrauen - ein Paradoxon. Und Politiker, die Lösungen finden sollten, streiten stattdessen. Rechte Parteien geben (zu) einfache Antworten und dadurch vermeintlich Halt. Die AfD hat die Wahl in Sachsen-Anhalt mit der Sehnsucht nach der „guten, alten Zeit", nach Selbstermächtigung und Ordnung gewonnen.

Den Regierenden in Österreich muss man zugutehalten: Sie versuchen es zumindest. Mit dem Verbot des politischen Islam und der Integrationsverpflichtung will man klare Kante zeigen. 

Mit dem Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige will man sich Zeit verschaffen, um Kinder am Handy zu schulen. Viel komplizierter zu beantworten ist: Was ist denn „unsere Art, zu leben"? Und wer sind „wir"?

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